Ein strategischer Schwerpunkt von IBM sind Technologien und Dienstleistungen, die Nutzer in die Lage versetzen, vorhandene Daten aller Art besser auszuwerten und daraus die richtigen strategischen Rückschlüsse für Geschäftsentscheidungen zu ziehen. Um die Grenzen der dafür notwendigen Technologien auszuloten und die Ära der lernenden Computersysteme einzuläuten, hat IBM Research Watson entwickelt.
Watson ist ein Computersystem, dessen Architektur darauf ausgelegt ist, die natürliche Sprache (im konkreten Fall Englisch) zu verstehen, die Wortbedeutung im Gesamtkontext zu analysieren, diese Informationen schnell zu verarbeiten und so präzise Antworten auf Fragen in natürlicher Sprache auszugeben. Das System läutet die Ära der lernenden Computersysteme ein. Zukünftige Computer-Generationen mit entsprechender Architektur werden in der Lage sein, selbstständig Informationen aus unterschiedlichsten Datenquellen zu gewinnen und Schlüsse zu ziehen.
Watson ist das erste System, das mit der Ambivalenz der natürlichen Sprache umgehen kann. Es trat Mitte Februar 2011 zum ultimativen Wettkampf in der amerikanischen Spielshow Jeopardy! gegen zwei ehemaligen Champions der Sendung an. Die Spielshow deckt nicht nur eine praktisch unbegrenzte Zahl von Wissensgebieten ab, sondern verlangt von den Kandidaten vor allem die schnelle Analyse von subtilen Hinweisen, Rätseln und Sprachbesonderheiten wie beispielsweise Ironie. Watson war bei diesem Wettkampf nicht an das Internet angeschlossen, sondern hatte als Datenbasis etwa 200 Millionen Buchseiten an Information in seinen internen Speichern zur Verfügung, um korrekte Anworten auf die Hinweise bei Jeopardy! zu finden.
Das System nutzt völlig neuartige Analyseverfahren, um die unstrukturierten Daten (Hinweise des Moderators) zu verstehen, seine interne Datenbasis in weniger als drei Sekunden zu analysieren, die wahrscheinlichste Antwort basierend auf Hypothesen und Wahrscheinlichkeitsberechnungen zu finden und als Sprachantwort zu formulieren. Watson ist der Startpunkt für die Entwicklung neuartiger Computersysteme, die in Zukunft Zusammenhänge zwischen Daten erkennen und daraus lernen können.
Das Konzept von Watson, eine Kombination aus Technologien zur Analyse und Bewertung von strukturierten wie unstrukturierten Daten auf Basis leistungsfähigster IBM POWER Hardware birgt ein enormes Potential für zukünftige Anwendungen in Wirtschaft und Gesellschaft – nämlich
überall dort, wo heute und in Zukunft viele Daten anfallen, aber nicht zusammengeführt und zielgerichtet ausgewertet und verwendet werden können. Sei es in der Medizin, der öffentlichen Verwaltung oder der öffentlichen Sicherheit.
Natürlich gibt es zahlreiche erfolgreiche Erfindungen, die zufällig und ungeplant entstanden sind, aber dies ist eher die Ausnahme. Jeder Innovationsmanager weiß, dass ein systematisches Vorgehen ein kritischer Faktor ist, um Innovation planbar und Erfolge replizierbar zu machen. Einen recht eindrucksvollen Ansatz zur systematischen Erzeugung neuer Produktideen habe ich auf dem Trendforum im Herbst gesehen und selbst ausprobieren dürfen. Systematic Inventive Thinking (SIT) nennt sich das Unternehmen, das lieber auf die “Stimme des Produktes” als auf die Stimme des Marktes hört und eine Methodik entwickelt hat, die neue Produkttrends schaffen soll.
Auf Basis einiger weniger Prinzipien können so aus vorhandenen Produkten und Dienstleistungen neue Ideen generiert werden, die einen klaren Nutzen haben. Am Stand von SIT auf dem Trendforum habe ich mich dann selbst als Innovator versucht: Ausgangsbasis war ein Rucksack, der durch das Prinzip der “Task Unification”, also dem Hinzufügen einer neuen Aufgabe zu einer bestehenden Ressource, zu einem neuen Markttrend werden sollte. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen bei Geschäftsreisen auf zahlreichen Flughäfen war die Idee schnell gefunden: Die Aufgabe “Gepäcktransport” wurde kurzerhand mit der Aufgabe “Personentransport” unifiziert. Heraus kam der “Skate Trolley”, der beides vereint und so ermüdende Wanderungen zum Fluggate erleichtert.
Diese Übung war zwar nur ein winziger Ausschnitt aus der SIT-Methode, sie hat dennoch sehr viel Spaß gemacht. Liebe Produkthersteller, jetzt ist es an Ihnen, einen neuen Trend zu setzen – und vergessen Sie nicht, mir ein Exemplar des Skate Trolleys zu schicken
IBM blickt auf eine lange und eindrucksvolle Firmengeschichte zurück. 100 Jahre, in denen sich das Unternehmen immer wieder neu definiert und Trends angeführt hat, anstatt ihnen einfach nachzulaufen. Anfang Oktober kommt ein IBM Buch auf den Markt, das die Geschichte dieses Wandels zusammenfasst und aufzeigt, wie lohnend der Aufbruch dahin ist.
Dieses Buch ist die Geschichte des Transformationsprozesses der IBM in Deutschland der letzten Jahre vor dem Hintergrund der globalen Entwicklung des Konzerns. Es lehrt, wie mühsam, hart, neu – vor allem aber auch lohnend – der Aufbruch zum Wandel ist.
Die Geschichten, die hier erzählt werden, sind beispielhaft für die Herausforderungen, vor denen heute viele Unternehmen stehen. Warum müssen wir uns ändern? Warum wollen wir das sogar? Wie verändern wir uns? Was ist der Preis dafür? Und was gewinnen wir?
Dieses Buch berichtet über einen Veränderungsprozess, offen und klar. Es enthält die geballten Erfahrungen von Mitarbeitern, Führungskräften, aber auch Geschäftspartnern und Angehörigen der deutschen IBMer.
In vielen Fallbeispielen wird deutlich gemacht, vor welchen kulturellen und organisatorischen Herausforderungen Veränderer stehen. Welche Hürden und Barrieren es zu überwinden gilt. Bei alldem geht es darum, den Wandel als Normalität des Geschäfts zu begreifen – mit unternehmerischer Leichtigkeit statt Angst vor Veränderung. Das Buch ist damit auch ein Plädoyer für mehr Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein – ein optimistischer Change-Report, der klarmacht: Ändere das Spiel. Es lohnt sich für alle.
Wer ist Max Mustermann? Der Autor dieses Buches. Er lebt unter anderem in Ehningen bei Stuttgart, in München, in Bremen, in Dresden und Herrenberg. Er kennt die deutsche IBM wie seine Westentasche. Max Mustermann repräsentiert die Menschen, die dieses Buch geschrieben haben: Mitarbeiter, Kunden, Geschäftspartner und Personen, die ihnen nahestehen. “Ändere das Spiel.” hat viele Autoren. Sie erzählen die Geschichte der Transformation der IBM in Deutschland. Und sie wollen all jenen, die heute den Wandel positiv bewältigen müssen, Mut machen. Max Mustermann ist ihr Avatar – weil Veränderung kein Einzelschicksal ist. Sie betrifft alle.
Zum 3. Mal hat das Land Sachsen-Anhalt dieses Jahr den Preis der Umweltallianz vergeben, eine Auszeichnung für Unternehmen, die mit herausragenden Umweltinnovationen zu stabilem Wirtschaftswachstum beitragen. Als Juryvorstand durfte ich zusammen mit einem Expertenteam aus Forschung, Industrie und Medien die drei Preisträger auswählen, die sich mit viel Kreativität und unternehmerischem Ehrgeiz ihrer ökologischen Verantwortung stellen. Im Anschluss an die Preisverleihung sprach ich noch mit Prof. Jänicke von der Freien Universität Berlin, der in zahlreichen Vorträgen und Veröffentlichungen den „Megatrend Umweltinnovation“ näher beleuchtet. Vielen Dank, dass ich Auszüge aus seiner Festrede zur Preisverleihung hier wiedergeben darf:
Das Geschäft mit der und für die Umwelt ist tatsächlich zu einem Megatrend geworden. Wo sonst findet man heute stabile globale Wachstumsraten von 50 oder 60%? Man findet sie bei den klimafreundlichen neuen Technologien. Hohe globale Wachstumsraten hat aber auch das breite Spektrum ressourcenschonender Verfahren. Insgesamt ist das ein Markt, der schon heute ein globales Volumen von über 5 Billionen Dollar umfasst. US-Präsident Barack Obama sagte in 2009: “Es ist nicht mehr die Frage, ob die Jobs und Industrien des 21. Jahrhunderts sich um saubere Verfahren und erneuerbare Ressourcen drehen. Die Frage ist: welches Land diese Jobs und diese Industrien hervorbringt.“ Dabei sind Umweltinnovationen zunächst die Antwort auf die Krise des ressourcenintensiven Wachstums des 20. Jahrhunderts. Mehr als 95% der gewonnenen Ressourcen werden immer noch vergeudet bevor die Endprodukte den Markt erreichen. Und viele Industrieprodukte – z. B. Autos oder Häuser – verbrauchen weitere Ressourcen beim Gebrauch. Produktivität und Wohlstand müssen daher im 21. Jahrhundert primär über die öko-effiziente Ressourcennutzung gesteigert werden. Da das bisherige Wachstumsmodell bisher alle Lebensbereiche, die Infrastrukturen, die Weltarbeitsteilung, die Produkte und Verfahren bestimmt hat, bedeutet seine Überwindung eine wirkliche „grüne industrielle Revolution“.
Umweltinnovationen haben dabei eine Schlüsselfunktion mit spezifischen ökonomischen Vorteilen: Sie haben ein langfristiges und globales Marktpotenzial und sie steigern in aller Regel die Produktivität der Volkswirtschaft. Wir brauchen daher ein radikales Innovationskonzept globaler Umweltpolitik mit hoher Breitenwirkung und hohem Umsetzungstempo.
Also, warten Sie nicht länger und springen Sie auf den Zug der Umweltinnovation auf. So sichern Sie sich ökonomische und ökologische Wettbewerbsvorteile.
Watson, benannt nach dem Firmengründer, ist IBMs neuste technologische Innovation auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. Es handelt sich um eine hochkomplexe Software, die in Echtzeit Fragen beantworten kann, die in natürlicher Sprache gestellt werden. Das System läuft auf einem IBM BlueGene Hochleistungsrechner und verwendet zur Bewältigung dieser Aufgabe immense Mengen an Daten. Das Entwicklerteam versah die Datenbank von Watson mit Informationen aus Millionen von Dokumenten, einschließlich Wörterbüchern, Enzyklopädien und anderem Referenzmaterial, wie z.B. Bibeln, Novellen und Theaterstücke.
Nach über dreijähriger Entwicklungszeit ist Watson nun soweit, in der Quizshow “Jeopardy” gegen menschliche Gegner anzutreten. Die Herausforderung hierbei ist nicht nur, die Bedeutung der gestellten Fragen korrekt zu interpretieren und die Wissensdatenbank nach einer passenden Antwort zu durchforsten, sondern das Ganze auch noch schneller als die Kontrahenten zu tun – binnen weniger Sekunden.
In einem ganztägigen Test unter realen Bedingungen schnitt Watson mehrfach besser ab als die Teilnehmer aus Fleisch und Blut. Am Ende des Tages waren die sieben menschlichen Testpersonen beeindruckt und sogar leicht entnervt von Watson. Eine Teilnehmerin war sich nicht ganz sicher, was ihre Rolle in diesem Test war. “War ich das Ding, das dem Computer geholfen hat, ein eigenes Bewusstsein zu erlangen?” reflektierte sie scherzhaft in Anspielung auf den Film “A.I.”.
1997 gelang es einem Großrechner erstmals, in einem Mensch-gegen-Maschine-Wettbewerb zu gewinnen. Der IBM-Rechner mit dem Namen Deep Blue war in der Lage 200 Millionen mögliche Schachzüge pro Sekunde zu berechnen und schaffte es so, in einem Schachwettbewerb den damaligen Weltmeister Garry Kasparov zu besiegen. “Watson” verfügt nicht nur über mehr Rechenkapazität, sondern beruht auch auf einem neuen Ansatz: Durch den Einsatz von dynamischer, intelligenter Software ist das System fähig offene, komplexe Fragestellungen wie diejenigen in JEOPARDY! zu lösen und bringt damit die Computerfähigkeiten einen Schritt näher an die kognitiven Fähigkeiten des Menschen.
Wenn Sie auch einmal Ihr Wissen unter Beweis stellen möchten, können Sie HIER gegen Watson antreten (Quiz auf englisch).
Was wäre, wenn die Rechenleistung von Millionen PCs und Servern auf der ganzen Welt gebündelt und zur Lösung der dringendsten Menschheitsprobleme genutzt würde? – Das World Community Grid (WCGrid) tut genau das – und jeder kann daran teilnehmen.
Innovation that matters for the world Ziel des World Community Grid ist es, das größte öffentliche Computer-Netzwerk zu humanitären Forschungszwecken zu sein. Derzeit erreicht das Grid eine Leistung von über 167 Teraflops. Computeranwender und -firmen auf der ganzen Welt spenden dazu ungenutzte Rechenkraft. Das World Community Grid nutzt diese brachliegende Rechenzeit angeschlossener Computer, um Forschungsprojekte zu unterstützen, die komplexe Problemstellungen aus Bereichen wie der Medizin-, Lebensmittel- oder Umwelt-Forschung zum Inhalt haben. Unter anderem geht es dabei um
die Entschlüsselung genetischer Codes, die Krankheitsauslösern von AIDS, Alzheimer oder Krebs mit zu Grunde liegen,
die Verbesserung der Vorhersagen möglicher Naturkatastrophen,
die Unterstützung von Studien, die die Versorgung der Welt mit Nahrung und Wasser sicherstellen helfen.
Um beim World Community Grid mitzumachen, können Freiwillige von der Internetseite des Projekts ein kostenloses, einfaches und sicheres Softwareprogramm auf ihren PC oder Laptop laden. Sobald der Rechner über freie Kapazitäten verfügt, fordert das Programm vom World Community Grid-Server Daten zur Bearbeitung an. Nach dem erfolgreichen Bearbeiten dieser Daten schickt der PC die Ergebnisse zurück und erhält ein neues Aufgabenbündel. Jeder Rechenblock, den der Computer bearbeitet, kann den Wissenschaftlern wichtige Erkenntnisse bringen und die Forschungsgeschwindigkeit erhöhen.
Damit können Probleme angegangen werden, zu deren Lösung massive Rechenleistung benötigt wird – obwohl für sie kein dedizierter Hochleistungsrechner zur Verfügung steht. Auch Wissenschaftler, die Grundlagenforschung betreiben wollen, aber keine starke ‚Lobby’ haben, bekommen über das Grid Zugang zu innovativer Technologie. Mit dem WCGrid stehen Wissenschaftlern Forschungsergebnisse wesentlich schneller zur Verfügung – womit die Lösung von dringlichen Menschheitsproblemen deutlich vorangetrieben werden kann. Voraussetzung für die Nutzung des Grid ist, dass die Projektergebnisse nicht für kommerzielle Zwecke verwendet werden, sondern der Forschungs- Community zur Verfügung stehen.
Der Beitrag von IBM zum World Community GridIBM stellt für das World Community Grid Server, Software und den technischen Service bereit, die notwendig sind, um das Grid zu betreiben. Auch für die nötige Sicherheit im Grid sorgt IBM – unter anderem durch den Virenschutz in allen Build-Umgebungen, die Kennzeichnung der an den World Community Grid Agent gesendeten Daten mit einer digitalen Signatur, die Verschlüsselung lokal gespeicherter und an den World Community Grid-Server gesendeten Dateien, sowie die biometrische Zugangskontrolle zu den Servern. Außerdem werden keine persönlichen Daten der Teilnehmer erhoben, womit für den bestmöglichen Datenschutz gesorgt ist.
Erinnern Sie sich noch an den Actionfilm ‘Minority Report’?
Eine Polizeiinstitution mit Namen ‘Precrime’ im Washington des Jahres 2054 verhindert zukünftige Straftaten mithilfe dreier in die Zukunft blickenden Medien, sogenannte ‘Precogs’. So kann die Kriminalitätsrate drastisch gesenkt werden, weil Verbrecher gefasst werden, noch bevor sie die Straftat verüben.
Was wie pure Science-Fiction klingt, wird seit einiger Zeit von der Polizei in der US-Stadt Memphis in Ansätzen erprobt. Allerdings nicht mit übersinnlich begabten Mitarbeitern, sondern mit Hilfe einer speziellen Software namens ‘Blue Crush’. Dazu analysiert “Crush” (Criminal Reduction Utilising Statistical History) vergangene Verbrechensmuster, um zukünftige Straftaten vorherzusagen. So konnten in den letzten Monaten schwere Straftaten mithilfe des Vorhersage-Systems um über 30 Prozent gesenkt werden.
Die Predictive-Analytics-Software, welche die Grundlage des Systems bildet, wurde von IBM-Labors entwickelt. Sie analysiert Daten über Verbrechen in einem Gebiet und berücksichtigt dabei auch aktuelle Informationen beispielsweise von Streifen. Durch die Suche nach Mustern wird vorhergesagt, wann und wo weitere Straftaten zu erwarten sind. So entstehen in Echtzeit Karten von Verbrechens-Hot-Spots im Stadtgebiet. Dadurch können Polizisten zielgenau im Sinne der Verbrechensprävention eingesetzt werden.
Zukünftig sollen auch Feeds von Überwachungskameras und öffentlich zugänglichen Internet-Datenquellen wie beispielsweise Facebook-Posts genutzt werden. Damit wäre es denkbar, beispielsweise online angekündigte Amokläufe zu verhindern. Inzwischen sind auch in Großbritannien Tests mit der IBM-Software angelaufen.
In vielen Artikeln, Fachbüchern und Blogs wird die ‘Disruptive Innovation’ als der heilige Gral der Wettbewerbsfähigkeit gepriesen. Doch was verbirgt sich hinter diesem Buzzword und wie kann man damit tatsächlich Marktvorteile erzielen?
Als ‘Disruptive Innovation’ wird ein Vorgehen angesehen, mit dem neue, meist kleinere Unternehmen durch innovative Produkte oder Dienste erfolgreich große, etablierte Firmen aus dem Markt drängen. Wie? Indem sie einfache Nischenprodukte oder -dienstleistungen für die ‘White Spots’ eines Markts anbieten und diese dann schnell und effizient für den Mainstream anpassen. Dies zwingt die Marktführer, in höhere Segmente mit schlechteren Margen auszuweichen.
Jeff Monday erläutert dieses Modell sehr anschaulich in folgendem Video:
Kürzlich habe ich mich mit einem Ökologieexperten über das neue Trendthema “cradle to cradle” unterhalten. Das Cradle to Cradle Konzept ist durch die Natur inspiriert, in der es keine Probleme mit “Abfall” gibt, in der vielmehr “Abfall” gleichbedeutend ist mit “Rohstoff“.
Anders als beim “Cradle to Grave” (übersetzt “von der Wiege bis zur Bahre”), wo die Produkt- und Wertschöpfungskette nur in eine Richtung vom Rohstoff bis zur Abfallentsorgung geht, hat “Cradle to Cradle” die Absicht, hochprofitable Produkte zu entwickeln, deren Bestandteile in biologischen und technischen Nährstoffkreisläufen zirkulieren und so gleichzeitig positive Effekte für Umwelt und Wirtschaft haben.
Einige Unternehmen zeigen bereits, dass die Vision einer abfallfreien Wirtschaft realisierbar ist. Grundlegend ändern sie Produktdesign und sogar Geschäftsmodelle. Aber funktioniert dieses Prinzip auch wirklich nachhaltig und wirtschaftlich? Oder ist “cradle to cradle” nur eine Vision, die zwar gut für die Umwelt, aber schlecht fürs Geschäft ist?
Hier ein paar Beispiele:
Der Chef der österreichischen Backhausen Interior Textiles GmbH, Hersteller hochwertiger Möbel- und Vorhangstoffe, richtet inzwischen sein gesamtes Unternehmen nach dem “C2C” Prinzip aus. Seit 2008 entwickelt die Firma umweltfreundliche sowie recycelbare und flammhemmende Stoffe. Das in 40 Länder exportierende Unternehmen erwartet einen Umsatzanstieg um etwa fünf Prozent pro Jahr.
Der österreichische Betrieb Thoma baut Wohn- und Gewerbegebäude mit einem Bausystem aus reinem Holz ohne Chemie, Kleber und Gifte. Sie haben nicht nur eine gesunde Innenluft, sondern auch eine doppelt so gute Wärmedämmung als verleimtes Holz. Und während Bau- und Abrissschutt meist auf Sondermülldeponien gehört, lässt sich dieses Holz einfach wiederverwenden.
Eine Erfolgsstory sind die Cradle-to-Cradle-Bürostühle von Herman Miller. Alle neuen Serien werden inzwischen nach C2C gebaut und erbringen bereits 30 Prozent des Umsatzes, ihr Anteil soll in diesem Jahr auf 50 Prozent steigen. In Deutschland liegt der Anteil schon bei 80 Prozent. Der Hersteller vermietet seine Produkte zunehmend, arbeitet sie nach einigen Jahren auf und vermietet sie erneut.
Interessant finde ich, dass dieses neue C2C Prinzip zwar auf den ersten Blick nach Produktinnovation aussieht, aber bei genauerem Hinsehen enorme Potentiale für Service- und Geschäftsmodellinnovationen hat. Ein Produkt nicht mehr verkaufen, sondern vermieten und am Ende der Laufzeit als Rohstoff in die Produktion zurückführen – das ist nur dann zu einem akzeptablen Preis möglich, wenn das Produkt schon in der Entwicklung streng nach C2C-Richtlinien designed ist. Und die Entwicklungs- und Vertriebsprozesse müssen komplett angepasst werden, um als C2C Unternehmen nachhaltig profitabel zu sein. Eine simple Idee mit enormen Auswirkungen auf das Innovationsmanagement!
Kurz vor Weihnachten bat mich Dr. Aeikens, der Minister für Landwirtschaft und Umwelt von Sachsen-Anhalt, den Jury-Vorsitz für einen Umweltpreis zu übernehmen. Es handelt sich hierbei um den Preis der Umweltallianz Sachsen-Anhalt 2010. Im Juni wird es eine erste Sitzung in Berlin geben, in der die teilnehmenden Firmen der Jury ihre Innovationsstrategien präsentieren.
Umweltschutz und Innovation – passt das überhaupt zusammen? Die Tatsache, dass ein Innovation Leader mit der Vergabe eines Umweltpreises betraut wird, ist für mich Anlass genug, ein paar Gedanken zu dieser Frage aufzuschreiben.
In Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise ist Innovation Wachstumstreiber Nummer eins. Denn nur wer schneller mit neuen Ideen an den Markt kommt, hat die Chance, Wettbewerbsvorteile zu nutzen, Marktanteile zu sichern und so gestärkt und profitabel aus der Krise hervorzugehen. Innovation also als das Mittel einer kapitalistisch orientierten Marktwirtschaft? Unbedingt.
Was viele dabei auf den ersten Blick übersehen ist, dass Klimawandel und Ressourcenknappheit uns auch immer stärker zu innovativen Ideen antreiben. Wie können Unternehmen den CO2-Ausstoß vermindern? Mit welchen Innovationen kann der Energieverbrauch einer Firma reduziert werden? Wie können wir die Produktentwicklung nachhaltiger gestalten? Auch zur Beantwortung dieser Fragen ist innovatives Handeln notwendig. Und dabei sind genau dieselben Methoden und Prozesse notwendig, die auch für die “wirtschaftliche Innovation” genutzt werden.
Ein profitorientiertes Unternehmen hat also bereits das Rüstzeug für Umweltinnovationen. Und das Beste: Investitionen in die Umwelt zahlen sich aus: Wer mit neuen Ideen seinen Energieverbrauch senkt, schont nicht nur die Umwelt sondern auch seinen Geldbeutel. Wer klimaneutral produziert schafft Wettbewerbsvorteile durch höhere Akzeptanz seiner Produkte. Wer sich aktiv für den Umweltschutz einsetzt, zeigt soziale Verantwortung und steigt in der Gunst der Kunden. Innovation kann also gleichzeitig zum Umweltschutz als auch zum Wachstum beitragen.
Das Motto des Preises der Umweltallianz ist Programm: „Mit Umweltinnovationen zu stabilem Wirtschaftswachstum!“ Die Jury wird jene Unternehmen prämieren, die den Gedanken der Nachhaltigkeit mit einer innovativen Wirtschaftslogik verbinden. Sie sind die herausragenden Akteure unserer Wirtschaft, denn sie haben verstanden, dass der Schutz der Umwelt der wichtigste Zukunftsmarkt der Welt ist.